Pressebericht zum Jahreskonzert 2007
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- Veröffentlicht am 19. Mai 2008
- Geschrieben von Matthias Keßler
Musik von beidseits des Atlantiks
Konzert Stadtkapelle und Jugendblasorchester im gefüllten Modeon
SAMSTAG, 24. NOVEMBER 2007, 20 UHR - MODEON MARKTOBERDORF
Marktoberdorf Konzerte mit thematischem „Überbau“ kommen zunehmend in Mode. Auch die Stadtkapelle Marktoberdorf, die sich seit dem Sieg beim Orchesterwettbewerb in Bad Windsheim derzeit bestes Blasorchester Bayerns nennen darf, folgte diesem Konzept: Mit Musik aus der „Neuen Welt“, allerdings ganz ohne Dvorak, bot man ein in sich geschlossenes Programm und vermittelte dem Publikum außerdem viel von genau jenem Elan, der den Klangkörper unter Leitung von Maximilian Jannetti eine Woche zuvor zum Sieg getragen hatte.

Der zweite Teil des Konzertes wurde vom Jugendblasorchester unter Leitung von Thomas Wieser bestritten, das sich unter dem Motto „Just britsch!“ wieder dem alten Kontinent zuwandte und mit Christoph Merk aus Stöttwang einen in Bowler-Hat und weißen Handschuhen perfekt gewandeten Moderator gewonnen hatte, der einen umwerfenden Mix aus Allgäuer Mundart und Oxford Englisch hinlegte.
Musikalische Rhetorik auf den Punkt gebracht
Musikalisch gesehen hatte sich die Stadtkapelle außerdem für die ersten beiden Stücke „Verstärkung“ geholt: Unter dem Motte „Ein Cello in New York“ erlebte man zunächst als Violoncello-Solisten in einer Bearbeitung Von Rossinis „Wilhelm Tell“-Ouvertüre für Blasorchester den in Würzburg studierenden Johannes Unsinn. Er legte einen sehr hellen Cello-Ton an den Tag und nutze die lyrischen Entfaltungsmöglichkeiten seines Parts. Die Bläser unter Jannetti brachten ihrerseits die musikalische Rhetorik des Werkes auf den Punkt und gestalteten ihre Solis als reizvoll kontrastiereden Gegenpol zum Cello.
Endgültig in den USA angelangt war man mit dem „Concertino“ für Violoncello und Blasorchester von Klaus-Peter Bruchmann. Vieles in diesem klassisch-viersätzig angelegten Werk folgt amerikanisch wirkenden Idiomen: Die Hektik und Vielschichtigkeit übereinander geschichteter Metren, die Bedeutung des Perkussionsapparates, die entfernt an die „West Side Story“ errinernde Atemlosigkeit des Finales – selbst das Andante als eher Ruhe und Intimität vermittelndem Satz klang nach geheimisvoll-verrauchtem Blues.
Zur Höchstform liefen die Musiker schließlich in den beiden Sätzen aus der „Manhattan Symphony“ von Serge Lancen und dem 1. Satz („Skyline“) aus Johan de Meijs Sinfonie No. 2, „Big Apple“ auf. Mit beiden Werken hatte man als Pflicht- bzw. Selbstwahlstück in Bad Windsheim gewonnen. Die hohe Motivation der Musiker, dem Publikum zu zeigen, warum, war deutlich spürbar. Das Publikum erlebte ein Orchester voll Klangpräsenz, gut dosierten Schärfen und spritziger Akzentuierungsfreude. Speziell das „Rockefeller-Building“ ging durchaus unter die Haut.
Die Lachmuskeln waren dagegen im Programm des Jugendblasorchesters gefragt: Auf einer perfekt mit Big-Ben-Nachbau, Union Jack und Regenschirmen dekorierten Bühne brachten die Musiker gerade nicht die allseits bekannten Ohrwürmer aus „Night of the Proms“ zu Gehör, sondern seltener zu hörende, aber deshalb nicht weniger attraktive Werke. Ohne Edward Elgar ging freilich auch an diesem Abend nichts. Mit „Pomp and Circumstance“ Nr. 4 war es aber eben „nur“ der zweitbekannteste der unter diesem Titel gehandelten Märschen, der farbig und sehr „royal“ über die Rampe kam.
„Crown Imperial“ von William Walton, ein Werk von ebenfalls recht zeremoniellem glanzvollem Charakter, bildete in brillantem Sound die ideale Fortsetzung. Aus heutiger Sicht einen nicht unbedingt politisch korrekten Enstehungshintergrund, dafür jede Menge zündende Effekte hatte der „Dam Busters March“ zu bieten, gefolgt von einem rasanten Filmmusik-Potpourri des Miss-Marple-Melodie-Schöpfers „Goodwin“.
Nicht fehlen durfte natürlich auch die „Beatles“ – mit 16 Welthits in acht Minuten spielten die Musiker mit dem Publikum hier „Erkennen Sie die Melodie“.
Bericht in der Allgäuer Zeitung vom 26. November 2007 geschrieben von Lucia Buch

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